Ursprünglich sind mit den chants traditionelle indische Mantras gemeint. Die Form dieser Mantras besteht meistens aus einer kurzen eingängigen Melodie und einem spirituellen Text, die in zyklischer Weise wiederholt werden. Diese Form findet sich jedoch in allen Kulturkreisen und in allen Religionen. In unserer christlichen Kultur kennen wir sie beispielsweise aus der ökumenischen Kommune Taizé.

 

In unseren Cantokreisen singen wir Chants aus aller Welt und verschiedenen Kulturen und Traditionen. Bei den Chants spirituellen Hintergrunds leitet uns die Überzeugung, dass wir über alle Religionen hinweg miteinander verbunden sind. Wir glauben nicht an einen äußeren Gott, sondern sprechen vielmehr das Göttliche in uns selbst sowie das universelle Göttliche an. Daher bedürfen die Lieder keiner speziellen Glaubenszugehörigkeit, um sie zu singen. Wir singen die Lieder mit Freude und Respekt vor den spirituellen Kulturen.

 

Neben den traditionellen Mantras und Chants aus Indien, Afrika, Israel, Persien etc. singen wir heilsame Lieder europäischer und amerikanischer Komponisten wie Karl Adamek (Meridian Mantren), Wolfgang Bossinger, Katharina Neubronner, Daniela Sauter de Beltré, Michael Stillwater u.v.a. 

Wenn wir aufmerksam sind, fallen uns in besonderen Momenten immer wieder Lieder zu, die verbunden sind mit einem Lebensthema, das uns aktuell beschäftigt, und das wir in einem Lied formulieren können.

 

Fließen, fließen, Frieden schließen,

und den Wandel stets begrüßen.

Will ins Neue mich ergießen,

fließ zurück ins Meer.

(MeridianMantra, Karl Adamek)

 

Allen Liedern ist gemeinsam, dass sie für unsere Hörgewohnheiten vertraut klingen. Durch die Wiederholung erfahren wir eine unglaubliche Tiefe, Schönheit und Verbundenheit. Sie können uns Türen zu spirituellen Dimensionen eröffnen.

 

Viele der Lieder können wir verbinden mit leichten Choreographien, Kreistänzen oder Gesten, die die Wirkung der Lieder noch verstärken.

 

Beim Chanten geht es um das Singen selbst, mit offenem Herzen und Hingabe, es geht nicht um Darstellung und Bühne. Insofern ist es auch eine Form, die insbesondere denjenigen den Zugang zum Singen wieder ermöglicht, die ihn durch negative Bewertungen im Leben verloren haben. Untersuchungen haben ergeben, dass etwa 50% der deutschen Bevölkerung negative Erfahrungen mit Singen besitzt und nicht mehr singt. In einer Befragung meiner PatientInnen einer psychotherapeutischen Klinik sind es gar über 80%.

 

Gleichzeitig gibt es Untersuchungen, die die Heilkraft des Singens unter (vielsingenden) Chorsängern belegt. Diese führen ein signifikant gesünderes, zufriedeneres und erfolgreicheres Leben als Nichtsinger (G. Kreutz, St. Clift u.a. Canterbury Christ Church University 2008, Choral Singing, Wellbeing and Health).

 

Singen ist ein Lebenselexier und ein Gesundheitserreger, es stärkt Herz und Kreislauf, vertieft die Atmung, was zu einer höheren Sauerstoffaufnahme führt, die wiederum den gesamten Organismus versorgt. Man lässt im wahrsten Sinne Dampf ab.

 

Singen hat auch einen Einfluss auf unsere Emotionen. In unserem Gehirn wird ein regelrechter Glückscocktail zusammengebraut, denn Singen erhöht die Ausschüttung der Vitalitätsbotenstoffe im Mittelhirn. Diese bewirken nicht nur, dass wir uns wohler und energievoller fühlen, wir erleben die Verbundenheit mit anderen Menschen intensiver. Beim Singen werden Stresshormone abgebaut, wir entspannen uns und kommen leichter in unsere Mitte. Außerdem ermöglicht Singen Flow-Erleben. Dabei gehen wir ganz im gegenwärtigen Moment auf. Der Gedankenstrom wird unterbrochen. Diese Erfahrung ist zutiefst heilsam.

 

Das gemeinsame Singen fördert das Gefühl von Selbstwirksamkeit, d.h. ich spüre, dass ich etwas für mich tun kann, bin nicht ohnmächtig äußeren Bedingungen ausgesetzt. Das wiederum stärkt die Sozialkompetenz und das Selbstbewusstsein. Ich bestimme mich selbst. Wir erleben, wie positiv das Selbstbestimmen auf Körperrhythmus, Körperwahrnehmung und Seele wirkt. "Es gibt keine Fehler beim Singen, nur Variationen", wie es der Musiktherapeut Wolfgang Bossinger nennt. Ein afrikanisches Sprichwort lautet: Wenn du gehen kannst, kannst du auch tanzen, wenn du sprechen kannst, kannst du auch singen!

 

Du bist herzlich eingeladen, dies auszuprobieren, an einem der offenen Chant-Nachmittage jeweils am ersten Sonntag eines Monats, in Nächten der spirituellen Lieder, in Mantra-Mitsing-Konzerte mit Soulgate oder im Rahmen einer festen und vertrauten Gruppe am Dienstagabend.

 

Wir fühlen uns verbunden mit

- internationales Netzwerk "Singende Krankenhäuser e.V.", das sich für die Verbreitung heilsamer und gesundheitsfördernder Singangebote an Gesundheitseinrichtungen engagiert (www.singende.krankenhaeuser.de)

- internationales Netzwerk "Il canto del mondo" zur Förderung der Alltagskultur des Singens (www.il-canto-del-mondo.de)

- Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft (www.musiktherapie.de)

 

Wir üben unsere Tätigkeit eigenverantwortlich, unabhängig und integer aus. Wir gehören weder einer Partei noch einer Sekte, noch einer Organisation , die den Menschenrechten, insbesondere der Menschenwürde, oder den staatlichen Gesetzen entgegensteht, an.

 

Ethische Grundlagen:
In unseren cantokreisen richten wir uns nach den ethischen Grundlagen und Leitlinien von Singende Krankenhäuser e.V. Sie dienen dem Schutz und der Würde aller Beteiligten. 
Gesundheitsfördernde Singangebote, wie sie von Singende Krankenhäuser e. V. entwickelt werden, finden auf der Basis eines humanistisch-orientierten Menschenbildes als inneres Leitbild statt.
Singangebote im Gesundheitsbereich und insbesondere mit Patienten und erkrankten oder anderweitig beeinträchtigten Menschen sollen stets dem Wohlergehen aller Beteiligten dienen und stützende und ressourcenaktivierende Erfahrungen ermöglichen. Wichtige übergeordnete Ziele sind: Raum geben für persönliche Entfaltung und Sinnerfahrungen, Entwicklung von Selbstheilungskräften und Ressourcen, Stärkung des Selbstwirksamkeits- und Autonomieerlebens, Pflege von Solidarität und Gemeinschaft und Förderung der persönlichen Integrität, Dialogfähigkeit und emotionalen Offenheit.

 

Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden: http://www.singende-krankenhaeuser.de/weiterbildung/info-zur-weiterbildung/index.html

 

Literaturempfehlung:

Bossinger, Wolfgang: Die heilende Kraft des Singens, Traumzeit-Verlag 2006

Adamek, Karl: Singen als Lebenshilfe, Waxmann-Verlag, 4. Auflage 2009